Mein politisches Jahr 2009
Das nun zuende gehende Jahr ist als Superwahljahr naturgemäss ein sehr politisches gewesen und auch in meinem Leben hat die Politik sehr viel Raum eingenommen.
Einen kleinen Vorgeschmack auf das kommende habe ich schon einmal bei der BDK zur Europawahl im Januar erhalten, die sicherlich für alle Beteiligten ein besonderer Kraftakt war. Immerhin haben wir an einem Wochenende das Wahlprogramm diskutiert und beschlossen und die Bundesliste gewählt. Vor allem letzteres ist eine sehr nervenaufreibende Geschichte, wenn man mit Kandidaten mitfiebert, die dann immer weiter nach hinten rutschen und am Ende des Tages auf einem Platz landen, der mit Sicherheit nicht mehr zieht.
Nach der relativ entspannten, wenn auch für mich erfolglosen BDK im November zuvor war das wirklich eine ganz andere Hausnummer. Da wurde es im wahrsten Sinne des Wortes ernst. Und nicht nur die Delegierten aus Herford hingen nachher in den Seilen.
Da hast seich dann mal gezeigt, dass Politik bisweilen richtig Arbeit ist. Die allerdings dann auch belohnt wurde, als wir bei der Europawahl ein wirklich gutes Ergebnis eingefahren haben. Auch wenn bei uns der Wahlkampf eher mit halber Kraft geführt wurde. Angesichts des zu erwartenden Marathons, ist das allerdings auch nicht so verwerflich.
Immerhin haben wir in Enger das Kirchblütenfest für Europa klar gemacht und zumindest ein Grossplakat aufstellen lassen.
Kurz vor der Europawahl wurde ich dann auch vom Kreisvorstand gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, für den Landtag zu kandidieren und vielleicht für unsere erkrankte Geschäftsführerin einspringen. Mit dem Gedanken, ersteres zu tun habe ich ohnehin schon eine Weile gespielt. Über letzteres musste ich erst einmal nachdenken. Immerhin wusste ich, wie hart Ellen immer gearbeitet hat und gerade zwei Wahlkämpfe anstanden, die ich auch beide noch ganz nebenbei als Sprecher des Ortsverbandes Enger managen musste. Nebenher hab`ich gerade noch den Führerschein gemacht und an einem Comic gearbeitet.
Allerdings empfand ich das als interessante Herausforderung und habe eingewilligt.
Was mich dann erwartet hat, war eine menge Spass, Erfahrungen die mich durchaus weiter gebracht haben aber auch der Gang an meine Belastungsgrenze. Das ist unter anderem der Tatsache geschuldet, dass ich eben doch als Anfänger da rein gegangen bin und mitten im Ernstfall lernen musste, was Sache ist. Mein noch in Arbeit befindlicher Führerschein hat das ganze auch nicht einfacher gemacht, da der Transport von 15 Kilo Wahlwerbematerial mit dem Linienbus auch eine Sache für sich ist.
Zudem bin ich dann kurz vor Beginn des Wahlkampfes selbst ernsthaft erkrankt. Wie ernsthaft, war erstmal nicht wirklich erkennbar als ich die Bezirksratssitzung vor dem Wahlkampf besucht hab`. Da war noch von einer Blasenentzündung die Rede. Matthi Bolte hat noch gescherzt, dass ich das mit der Krankheitsvertretung etwas falsch verstanden habe. Zwei Tage später landete ich dann in der Notaufnahme. Offensichtlich war da noch einiges andere entzündet. Es war sogar von einer Operation am Darm die Rede. Ich habe den Chefarzt darum gebeten, das Zeug möglichst schnell rauszuschnippeln, da ist ja einen Wahlkampf vorzubereiten habe.
Er fand das nicht gerade angebracht von mir und hat mir quasi befohlen, an mich selbst denken. Ich habe das dann auch gemacht und bin nach einigen Litern Antibiose einer Operation entgangen.
Wirklich erholen konnte ich mich allerdings nicht. An sich selbst denken heisst ja auch immer, dass man versucht, sich ein Umfeld zu schaffen, in dem man sich wohl fühlt. Und das hiess für mich, dass ich für starke Grüne bei mir zuhause kämpfen wollte. So habe ich meine Schwäche abgeschüttelt und losgelegt. Immerhin gab es einiges zu verteidigen.
Fünf Jahre zuvor haben die Engeraner Grünen ihre Mandate von 2 auf 4 verdoppelt.
Es folgte eine Rot-Grüne Kooperation, die allerdings ziemlich schnell an der Selbstherrlichkeit der SPD gescheitert ist. Ehrlicherweise haben wir schon damit gerechnet, eines dieser Mandate wieder zu verlieren. In diesem Wahlkampf fielen einem nicht gerade so die Themen in den Schoss. Das war bei der letzten Wahl auch anders.
Zudem konnten wir beim besten Willen diesmal keinen Bürgermeisterkandidaten unterstützen und brauchten folglich einen eigenen. Glücklicherweise hat sich Klaus-Hermann Bunte bereit erklärt, die Kandidatur zu übernehmen, was uns sehr geholfen hat. Der Wahlkampf selbst hat mir, nachdem das Programm geschrieben und das Material erstellt war, auch richtig viel Spass gemacht. Ich hab sogar persönliche Flyer von mir produziert und die in meinem Wahlbezirk in die Briefkästen geworfen.
Dort haben wir uns von 12% auf 16% verbessert. In ganz Enger sind`s dann 14,16% (2004: 11,1%) geworden und an Stelle eines Mandatsverlustes durften wir den Einzug von 5 Grünen in den Rat erleben. Was für ein Tag.
Allerdings ist nach der Wahl auch vor der Wahl und der folgende Bundestagswahlkampf hatte es auch in sich.
Das lag vor allem an der veränderten Personaldichte.
Viele Kommunalpolitiker machen sich einfach nicht so viel daraus. So waren unsere Bundestagskandidatin Irmgard Pehle und ich bei einigen Aktionen ganz allein. So ein Endloswahlkampf schlaucht allerdings auch ganz schön und man kann schon verstehen, wenn man dann mal schlapp macht. Ich hoffe nur, dass das bei der Landtagswahl anders ist.
Ausserdem waren wir in Mitten eines Nichtwahlkampfes, in dem die dominanten Themen der Dienstwagen von Ulla Schmidt und die Unwiderstehlichkeit vom Baron zu Guttenberg waren. Da war es nicht so einfach, Themen zu setzen und die Leute vor Ort mitzureissen. Interessant war dann auch, wie wenig Resonanz die grösste Anti-Atom-Demo seit vielen Jahren in den Medien gefunden hat. Man müsste sich nur einmal vorstellen, dass so viele Menschen für Steuersenkungen oder die Abschaffung des Kündigungsschutzes auf die Strasse gingen. Die Journaille würde über Wochen davon dominiert.
Aber egal. Es war eine grossartige Demo und OWL war sehr gut vertreten.
Leider konnten wir trotz unseres guten Ergebnisses nicht verhindern, dass die Kinderkrebs- und Sozialabbaulobby die Wahl dann doch noch gewonnen hat.
Allerdings ist auch dieses mal wieder nach der Wahl vor der Wahl, denn am 9. Mai 2010 werden wir die Gelegenheit haben, die Bundesratsmehrheit von Schwarz-Gelb zu brechen und.
So hiess es am 28. und 29. Oktober wieder “auf zum Parteitag und Liste wählen”. Dieses mal habe ich die LDK allerdings aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen dürfen. Denn ich ging als Kandidat nach Hamm. Und das sogar mit einem Votum meines Bezirksverbandes. Wenn auch “nur” dem 3. Männervotum, was bedeutet, dass ich die Unterstützung der OWL-Grünen für eine Kandidatur nach Matthi Bolte und Harald Grünau erhalte. Es gibt Kritik an diesem Verfahren, die auch durchaus eine Berechtigung hat.
Als OWLer sehe ich hier allerdings auch das berechtigte Bedürfnis nach einer angemessenen Vertretung auch kleinerer Bezirke in den Parlamenten. In der letzten Legislaturperiode waren 10 Grüne aus NRW im Bundestag. 2 davon kamen aus OWL. Im Landtag sitzen 12 Grüne, von denen nur eine aus OWL kommt. Es ist nicht schön, so unterrepräsentiert zu sein. Vor allem in Zeiten, wo Grüne im ländlichen Raum immer stärker werden.Da vergibt man nun mal Voten und verhandelt mit stärkeren Bezirken, deren Unterstützung man braucht.
Als Kandidat habe ich mich natürlich gefragt, ob mir mein Votum überhaupt geholfen hat oder ob ich vielleicht doch hätte früher antreten sollen. Immerhin wollte ich in Bereich zwischen den Plätzen 16 und 22 anfangen. Allerdings muss man hier mal ganz realistisch sein. Es macht überhaupt keinen Sinn, gegen jemanden aus dem eigenen Bezirk anzutreten, der dort mehr Rückhalt hat als man selbst. Insofern hilft den KandidatInnen die Votenvergabe schon ungemein bei der Einschätzung des eigenen Rückhaltes.
Wahrscheinlich hätte ich eh keine grossen Chancen auf einen Platz weiter vorne gehabt. Obwohl das einige auch wieder anders sehen. Aber egal. Ich bin sehr gespannt, ob es wirklich eine Diskussion über das Verfahren gibt und zu welchem Ergebnis wird dann kommen werden.
Persönlich kann ich mich über mein Wahlergebnis überhaupt nicht beschweren.
Gerade die hinteren Plätze waren sehr umkämpft. Und die meisten wurden dort erst im 3. Wahlgang mit etwas mehr als 50% gewählt. Das war sogar noch bei Platz 40 so. Ich habe meine 32 mit 62,6% im zweiten Wahlgang gegen (ich glaube) drei Gegner erobert. Das war sehr schön für mich, auch wenn ich glaube, dass der Platz nicht mehr so unbedingt zieht.
Allerdings hat mir das sehr viel Rückenwind für die anstehenden Aufgaben gebracht. Und den werde ich nutzen, um Rüttgers` Mehrheit mit einem entschiedenen Wahlkampf zu brechen.
Mein 2009 war also schon ziemlich grün. 2010 wird wohl noch grüner.
P.S. Den Führerschein habe ich übrigens ca. 2 Wochen vor der Listenaufstellung bekommen.
Dieser Beitrag wurde durch Maik Babenhauserheide am 29. Dezember 2009 um 01:17 Uhr erstellt und ist in Jahresrückblick, Nabelschau, Videos, Wahlen kategorisiert. Jede Reaktion auf diesen Beitrag kannst du mit RSS 2.0 verfolgen. Du kannst eine Antwort oder einen Trackback von deiner eigenen Seite hinterlassen.
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Maik Babenhauserheide ist Sprecher des Stadtverbandes Enger von Bündnis 90/Die Grünen, Ratsherr in Enger und Kandidat für die Landtagswahl 2012.


















Kleiner Hinweis nachträglich. Natürlich hatte dieser Jahresrückblick keinen Anspruch auf Vollständigkeit.