Neue Männlichkeit braucht der Mensch
Die Reaktionen auf die Veröffentlichung des grünen Männermanifestes waren schon erstaunlich. Nicht nur der Text auf dem Blog der NRW-Grünen selbst sondern auch der Artikel von Irene Mihalic, in dem auf einige Fragen, die das Manifest aufwirft eingegangen wird wurden kräftig kommentiert. Auch einige Zeitungen haben berichtet.
Offensichtlich haben die Autoren dieses Papiers den ein oder anderen Nerv getroffen. Zum Teil auch Nerven, die mit einem schmerzhaften Zucken auf dieses Manifest reagieren. Es gibt tatsächlich Männer, die sich von Männern verraten fühlen, die sich offen als Feministen bezeichnen. Zu diesen Männern gehört auch Karl-Heinz Fesenmeier, der in der Badischen Zeitung einen Kommentar veröffentlicht hat, der schon relativ entlarvend ist.
Immerhin beansprucht er das im Manifest geforderte Recht der Männer auf die eigene Schwäche, indem er die üblichen Kastrationsängste transportiert, die nun einmal viele Männer haben, wenn es um Feminismus und Gleichberechtigung geht.
Dabei ist das in diesem Fall sogar noch etwas schwieriger. Schliesslich wird die Angst vor der Kastration nicht mehr nur durch selbstbewusste Frauen ausgelöst. Jetzt sind es schon die eigenen Geschlechtsgenossen, die einem in den Rücken fallen und dazu zwingen wollen, die eigene Männlichkeit zu verleugnen. Da schwebt die Angst mit, dass Männer im vorauseilenden Gehorsam effeminiert und gewissermassen neutralisiert werden.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Mann an sich den anderen Mann gerne mal als Konkurrenten betrachtet und wohl instinktiv auf Abwehr geht, wenn Männer ihn auffordern, sein Verhältnis zu Frauen zu überdenken.
Aber bedeutet die Annahme einer emanzipierten Welt durch beide Geschlechter automatisch den Verlust von Männlichkeit? Ich glaube nicht. Denn das eine hat nichts mit dem anderen zu tun. Grundsätzlich hat jeder Mensch eine eigene Identität, die sich aus Eigenschaften zusammensetzt, die man entweder als männlich oder weiblich bezeichnen kann. Und die Überzeugung, dass ein biologisches Geschlecht nicht automatisch die Rolle definiert, die man in der Welt zu spielen hat muss nicht dazu führen, dass man seine männlichen Eigenschaft vollkommen negiert oder ablegt.
Feministen müssen sich weder die Brust rasieren noch täglich waschen. Sie müssen nicht häkeln oder ihren Fussball wegwerfen. Selbstbewusste, starke Männer müssen sich weder des Testosterons schämen, vor dem sie strotzen noch die Frauen fürchten, die das nicht beeindruckt.
Männer sollten keine Machos sein müssen aber welche sein dürfen. Wir sollten unsere Männlichkeit so begreifen, wie viele emanzipierte Frauen ihre Weiblichkeit: Als etwas selbstverständliches. Also nichts was man verteidigen, beweisen oder fürchten muss.












