Die Klemmschwesterwelle
Ich habe sehr lange überlegt, ob ich diesen Artikel mit dieser Überschrift versehen sollte. Viel zu gross ist schliesslich die Gefahr, dass man mir Homophobie oder parteipolitisch motivierte Hetze gegen einen schwulen politischen Gegner vorwirft.
Allerdings kann ich nicht anders. Nicht weil ich alles versuchen würde, um eine linke Mehrheit in NRW zu erkämpfen. Nicht weil ich gegen diesen Menschen eine Retourkutsche nach seiner nützlichkeitsrassistischen Hetze gegen Langzeitarbeitslose fahren will. Und schon gar nicht, weil ich ihn nun mal nicht leiden kann. Nein! Ich fühle mich von Guido Westerwelle als schwuler Mann beleidigt!
Wir haben es hier mit jemandem zu tun, der immer sehr verschämt mit seiner eigenen Homosexualität umgegangen ist, was im Grunde genommen auch ganz OK ist. Niemand ist gezwungen, sein Herz auf der Zunge zu tragen und den Vorkämpfer für die Rechte von Schwulen und Lesben zu spielen. Allerdings ist er schon seit längerer Zeit Parteivorsitzender der FDP und hat als solcher massgeblich die eher unglückliche Positionierung seiner Partei bei schwul-lesbischen Fragen bestimmt. So war die FDP seinerzeit gegen die eingetragene Lebenspartnerschaft und hat auch vom Bundesrat aus blockiert, was zu blockieren war.
Ähnlich enttäuschen war aus schwul-lesbischer Sicht die Polemik der FDP gegen das Antidiskriminierungsgesetz, das die Westerwelle-Truppe nur in der europäischen Grundversion eigeführt hätte, wenn sie damals schon regiert hätte. Was heisst, dass in dem Fall die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft geächtet und bekämpft worden wäre, die Diskriminierung von Schwulen und Lesben allerdings nicht. Begründet wurde das mit der befürchteten Klagewelle abgelehnter schwuler Jobbewerber, die den Standort Deutschland geschwächt hätte.
Das ist zumindest ehrlich, da ich wirklich glaube, dass “Liberale” einem diskriminierenden Arbeitgeber tendenziell näher sind als diskriminierten Homosexuellen.
Mittlerweile hat sich Westerwelles persönliche Situation allerdings etwas geändert. Heute lebt er in einer Beziehung, zu der er, zumindest bis zu einem gewissen Mass, auch steht und er ist Staatsdiener und damit seinen 82 Millionen ArbeitgeberInnen gegenüber rechenschaftspflichtig.
Das eine hat normalerweise nichts mit dem anderen zu tun. Allerdings liegt der Verdacht auf der Hand, dass Herrn Mronz durch seinen Lebensgefährten Vorteile verschafft worden sein könnten, die sich aus dem Amt des Aussenministers ergeben. Es stellt sich nun einmal die Frage, ob Herr Mronz auf Auslandsreisen mitgenommen wurde, um das, bei Arbeitsterminen des Ministers selten vorkommende, Damenprogramm zu absolvieren oder dort geschäftliche Kontakte zu knüpfen.
Diese Frage ist auch absolut berechtigt, wenn man bedenkt, dass der aktuelle Aussenminister auch ansonsten nahestehenden Unternehmern unter dem Licht seines neues Amtes eine besonders gedeihliche Position einräumt.
Die Rolle von Herrn Mronz und der Vorteil, der ihm aus den aussenpolitischen Aktivitäten seines Partners erwächst ist also durchaus ein Thema von allgemeinem Interesse. Das wäre auch so, wenn es sich hier um eine weibliche Lebensgefährtin handeln würde. Die von Guido Westerwelle angeführte Ungleichbehandlung existiert nicht. Man kann Andrea Nahles und anderen KritikerInnen auch beim besten Willen keine homophobe Hetze vorwerfen.
Für Westerwelle und seine Partei ist der Kampf gegen Homophobie offensichtlich nichts anderes als die die Möglichkeit, sich feige in einen Schützengraben fallen zu lassen, wenn es unangenehm wird. Für die scheint Homosexualität nichts weiter, als ein weiteres Privileg zu sein, das man im Interesse seiner Günstlinge einzusetzen weiss.
Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Schwulen und Lesben, die schon einmal Opfer homofeindlicher Übergriffe wurden oder das Pech haben, aufgrund ihrer Homosexualität von Freunden und Verwandten abgewiesen zu werden.
Es wäre eine historische Chance gewesen. Deutschland wir nach aussen von einem Homosexuellen Mann repräsentiert. Schade, dass der nun glaubt, dass diese Rolle ihm nun den Freifahrtschein für jegliche Grenzüberschreitung liefert! Echt schade!
Vielleicht ist das aber auch nur Teil seiner Natur. Er ist doch am Ende immer noch der verklemmte kleine Guido, für den seine sexuelle Orientierung nichts ist, mit dem er selbstverständlich umgehen kann. Wenn er es könnte, würde er mit Kritik ebenso umgehen können, wie Angela Merkel oder Wolfgang Schäuble, die ihren Kritikern auch nie Sexismus oder die Diskriminierung von Behinderten vorgeworfen haben.












Tja, andersrum regieren, geht halt anders als bei Guido. Aber wem sag ich das…